Wer schreibt, liest auch.
Wer über Gewalt, Trauma und Schutzsysteme schreibt, liest anders.
Murakami inspiriert. Ende imitiert Kindheit. Ernaux bleibt. Wentz macht einen fertig.
Aber das reicht nicht.
Fachliteratur stapelt sich – genauso wie Studien und Berichte, die man mühevoll zusammensucht. Manchmal finde ich auch etwas für Kinder.
Worauf ich mich beziehe, was ich gut oder schlecht fand – und warum – das findet ihr hier.

Ich wollte eigentlich ein Buch vorstellen, das mir eine Hilfe beim Schreiben war. Es hat sich immerhin eine große Auswahl an Literatur angesammelt. Sei es zu Trauma, kPTBS, Fachliteratur aus der Medizin, ein wenig zu politischen Kontexten aus der Zeit, in der meine Geschichte spielt und vieles mehr. Ich habe, seit ich angefangen habe zu schreiben, womöglich mehr gelesen als in den Jahren davor.
Aber dann ist etwas passiert.
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Denn ich habe mich nicht auf Papier beschränkt. Ich habe mit Menschen gesprochen – und tue es immer noch –, die in den Bereichen arbeiten, von denen ich schreibe. Ich wollte es wissen. Aus erster Hand.
Was sind die Probleme, die sie haben? Deckt sich meine Idee mit der Realität? Sind die Verhältnisse so, wie ich sie mir vorstelle? Kann ich das wirklich so schreiben?
Die Antwort lautete zunächst simpel: Ja. Genau so. Passt.
Da hätte es zu Ende sein können. Aber Recherche endet nicht einfach irgendwann. Man bleibt in Kontakt oder findet noch einen weiteren spannenden Artikel. Man bleibt dran. Irgendwie. Mit einem Auge.
Und auf einmal stand da ein: Nein.
Und ein: Du hast da was übersehen. Vielleicht.
Am Anfang war es nur ein Gefühl. Etwas wirkte schief, nicht ganz so, wie es sein sollte. Es reichte für einen zweiten Blick. Und einen dritten. Und …
… dann war ich drin. Dort, wo ich nie sein wollte.
Ich wollte ein Buch schreiben, mir nachts über Figurenentwicklung Gedanken machen und den richtigen Rhythmus von entscheidenden Sätzen.
Das war gestorben und meine Nächte füllten sich mit Papier, auf dem stand, was meine Intuition ohne Unterlass flüsterte: Das ist gefährlich. Das ist falsch.
Finde heraus, was es ist.
Ich wollte das nie. Aber ich konnte es nicht lassen.
Es ging so weit, dass ich Behörden einschaltete – die es anders sahen. Und andere, die es zwar genauso sahen, aber nicht handlungsfähig waren.
Ich war auf einmal Teil einer Realität, die ich mir nicht ausgesucht hatte. Ich wollte mein Buch schreiben, einen Verlag finden. Raus in die Welt mit der Idee, die seit Jahren in meiner Schublade lag. Und ich wollte es gut machen. Realistisch.
Vielleicht stand deswegen am Ende die Frage im Raum: Wenn du die Realität schreibst, um sie zu verändern und gleichzeitig aktiv Zeuge dieser Realität wirst – wie gehst du damit um?
Ich bin nicht Malcolm Browne.
Reine Dokumentation kann ich nicht.
Meine Arbeit beinhaltet ein anderes Selbstverständnis. Wenn ich es sehe und handeln kann, bin ich verpflichtet zu handeln. Aber wie handelt man, wenn einem die Reichweite fehlt? Und die Anschlussstellen?
Wie schwierig das sein kann, konnte ich mir nicht im Ansatz vorstellen. Wie viel Kraft und Ressourcen mich das kostet auch nicht. Und wie wenig Unterstützung man erhält – selbst dann, wenn man überzeugt ist, das Richtige zu tun – war mir überhaupt nicht klar.
Aber all das ist der Grund, warum ich in Zeitverzug geraten bin. Warum mein Buch halbfertig vor mir liegt und ich das Gefühl habe, mich erst mal neu finden zu müssen, um den Einstieg wiederzufinden.
Wenn die Zeit reif ist, erzähle ich euch die Story, die für all das verantwortlich ist. Inzwischen habe ich Unterstützung und dafür bin ich mehr als dankbar: jemanden, der sehen konnte, was ich sehe.
Weil es nie um mich ging, sondern um die, die keine Stimme haben.
Mein Buch hat jetzt Prio 1.
Aber es dauert noch. Und das ist der Grund.