In Berlin wurde – bestätigt von der Presseabteilung der Polizei Berlin – der Probebetrieb wie vergesehen in KW 17 für das Pilotprojekt der Berliner Polizei zur Gewaltprävention aufgenommen.
In den Medien wurde es zunächst bekannt unter dem Projekt zur Erfassung psychisch Erkrankter. Später wurde dies von Seiten der Polizei umgelabelt in „verhaltensauffälligen“ und unter Drogeneinfluss stehenden Personen mit Gefärdungspotential. Heute läudt es unter dem Kürzel FEBM – Früherkennungs- und Bedrohungsmanagement.
Zusammenfassend würde man in Bayern sagen: Nix genaues weiß man nicht.
Und genau das halte ich für gefährlich – vor allem da eine marginalisierte Gruppe betroffen zu sein scheint, die mit einem Satz kriminalisiert wird.
SPOTLIGHT
Correctiv hatte in seinem Newsletter vom 4. Juli 2025 auf die Forderungen der CDU Hessen, ein Zentralregister für psychisch Erkrankte einzurichten, recherchiert. Die dort beschriebenen Forderungen weisen Parallelen zu den aktuellen intransparenten Ereignissen in Berlin auf, wo ein Projekt an den Start geht, von dem weder die Rahmenbedingungen noch die konkrete Zielsetzung klar kommuniziert wurden. Lediglich die Schlagzeilen unter dem Label der „Erfassung psychisch Erkrankter“ und der Fokus auf „verhaltensauffällige“ und/oder vermeintlich intoxikierte Personen ließen eine Richtung erkennen.
Während in Hessen noch offen kommuniziert wurde – und man dafür heftige Kritik ernetete – wird Konkretes in Berlin unter Verschluss gehalten. Oder wie soll man das verstehen?
Den Link zum Correctiv-Newsletter findet ihr hier.
Wie hat es angefangen?
Die Polizei Berlin plante laut Medienberichten Anfang des Jahres 2026 ein Pilotprojekt, durch das Menschen mit einem erhöhten Risiko, die Allgemeinheit zu gefährden, früher erkannt werden sollen.
Die Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel erklärte, dass sie immer häufiger Menschen sehe, die verhaltensauffällig seien, unter Drogen stünden oder eine psychische Erkrankung hätten, und in diesem Zusammenhang schwere Straftaten begehen würden.
Schon die ersten Pressemitteilungen warfen viele Fragen bei mir auf und führten zu einem latenten Unwohlsein. Wenn wir eine Gruppe von Menschen, die bereits kämpfen muss, schlecht versorgt ist und nachweislich immer wieder diskriminiert und benachteiligt wird, auch noch durch Maßnahmen, die als Gefahrenabwehr gelabelt werden, pathologisieren, haben wir ein massives Problem. Und zwar eines, das wir vor ca. 80 Jahren schon einmal in ähnlicher Weise hatten.
Aber ist das alles wirklich so?
Was sind die Fakten?
Was ist konkret geplant und wie genau soll es umgesetzt werden?
Wie sehen es Fachverbände und Spezialisten?
Wie stehen einzelne Akteure aus der Politik dazu?
Und ist das eigentlich alles mit unseren Grundrechten und Werten vereinbar?
Quellen
- UN-BRK:
https://www.institut-fuer-menschenrechte.de/das-institut/monitoring-stelle-un-brk/die-un-brk
Position: Risikomanagement an menschenrechtlichen Standards ausrichten
https://www.institut-fuer-menschenrechte.de/publikationen/detail/risikomanagement-an-menschenrechtlichen-standards-ausrichten - rbb 24:
https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2026/03/berlin-polizei-pilotprojekt-bedrohungsmanagement-.html
https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2026/02/frueherkennungpolizei.html - DGPPN – Positionspapier
Versorgung stärken, Gewalt verhindern:
https://www.dgppn.de/_Resources/Persistent/97e5e3008bce25eb443c45886be64ab437e828ed/2026-03-04_DGPPN%20Empfehlungen%20Versorgung%20st%C3%A4rken-Gewalt%20verhindern.pdf - Berliner Morgenpost:
Krise im Sozialpsychiatrischen Dienst:
https://www.morgenpost.de/bezirke/marzahn-hellersdorf/article409119842/marzahn-hellersdorf-krise-im-sozialpsychiatrischen-dienst.html
https://www.morgenpost.de/berlin/article411562412/polizei-berlin-will-psychisch-kranke-erfassen-darum-sorgen-die-plaene-fuer-kritik.html - tagesschau.de:
https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/polizei-psychische-ausnahmesituation-100.html
https://www.tagesschau.de/inland/regional/berlin/rbb-pilotprojekt-zur-verhinderung-schweren-gewalttaten-offene-fragen-100.html - Perspektive online:
https://perspektive-online.net/2026/03/dieses-berliner-polizei-projekt-sorgt-schon-vor-dem-start-fuer-empoerung - ndr.de
https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/panorama3/Polizeieinsaetze-Wie-umgehen-mit-psychisch-Kranken,panoramadrei4770.html - Tagesspiegel
https://www.tagesspiegel.de/berlin/gesundheit-und-kriminalitat-polizei-will-psychisch-kranke-tater-fruher-erkennen-15210867.html - Berliner Kurier
https://www.berliner-kurier.de/berlin/polizei-will-psychisch-kranke-taeter-in-berlin-frueher-stoppen-li.10017191 - Deutsches Ärzteblatt:
https://www.aerzteblatt.de/news/gefahrenabwehr-datenubermittlung-von-psychisch-kranken-an-polizei-infrage-gestellt-b13fd4ba-76f6-415a-bd24-be819e51b00d - Literatur:
https://www.nomos-shop.de/de/p/kriminalisierung-psychisch-kranker-durch-transinstitutionalisierung-gr-978-3-8487-8179-9?msclkid=986196d80e511bef190dff111776bd3a
Was macht man jetzt?
Muss man was tun? Oder wartet man erstmal ab?
Welche Möglichkeiten stehen einem als Bürger eigentlich offen, um auf all diese Fragen Antworten zu erhalten?
Meine erste Idee war, eine IFG-Anfrage zu stellen, um überhaupt herauszufinden, worüber wir hier wirklich reden.
Aber dabei ist es nicht geblieben.
Eine übersichtliche Timeline findet ihr am Ende des Textes.
Details zu Anfragen und Antworten sowie die Identität der befragten Personen gebe ich (vorerst) nicht bekannt.
Sollten sich wesentliche Informationen daraus ergeben, erfahrt Ihr es hier als erstes.
Wissenswertes zum Antrag auf Informationszugang vom BfDI
Randnotitz vom 1. Juli 2026: SPD und Union planen die Abschaffung des IFG. Umfassende Infos und was ihr dagegen tun könnt, erfahrt ihr bei FragdenStaat.
Die zugehörige Petition verlinke ich euch hier und die Kampagne hier.
Und weil ich auch nicht untätig war, findet ihr meine Anschreiben in der Dokumentation unter dem Datum 2. Juli 2026.
Timeline
26. Juni 2026
Bestätigung des Eingangs der Klage vom Verwaltungsgericht Berlin.
22. Juni 2026
Klageerhebung vor dem Verwaltungsgericht Berlin.
28. Mai 2026
Der Petitionsausschuss schließt die Eingabe ab.
Erhalt des Widerspruchsbescheids zum IFG-Antrag
26. Mai 2026
Antwort der Pressestelle der Polizei zum Ende der Testphase am 19.05.2026
20. Mai 2026
Kontaktaufnahme zur DGPPN
20. Mai 2026
Erneute Anfrage bei der Pressestelle der Polizei Berlin zum Ende der Testphase am 19.05.2026
19. Mai 2026
Kontaktaufnahme zur Innenmininsterkonferenz IMK und Rückfragen zur ursprünglichen BLAG/IMK-Konzeption
10. Mai 2026
Die Berliner Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit wird über den aktuellen Sachstand in Kenntnis gesetzt.
Weitere Fragen werden formuliert und auf politischer Ebene eingebracht.
08. Mai 2026
Fristverlängerung ist verstrichen. Eine Antwort der Polizei liegt nicht vor.
04. Mai 2026
Meine E-Mail zur Fristverlängerung wird an die zuständige Stelle weitergeleitet.
01. Mai 2026
Fristverlängerung des IFG-Antrags bis 08. Mai 2026
29. April 2026
Die Pressestelle der Berliner Polizei bestätigt die Aufnahme des Probebetriebs des Pilotprojekts.
22. April 2026
Anfrage bei der Pressestelle der Berliner Polizei zum Startzeitpunkt des Pilotprojekts, da wir uns bereits in der laufenden KW 17 befinden
07. April 2026
Weiterleitung meines Widerspruchs an die Widerspruchsstelle
19. März 2026
Eingabe in den Petitionsausschuss
18. März 2026
Bitte um Stellungnahme bei Fachverbänden, NGOs, Fachbeauftragten und einzelnen Politikern
11. März 2026
Widerspruch gegen den Ablehnungsbescheid des IFG-Antrags
17. Februar 2026
Ablehnung des IFG-Antrags
09. Februar 2026
Antrag auf Datenauskunft bei der Polizei Berlin bezüglich über meine Person gespeicherte Daten
06. Februar 2026
Eingangsbestätigung der IFG-Anfrage
05. Februar 2026
IFG-Anfrage bei der Polizei Berlin
Anfrage bei der Beauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit
Kontakt zum Institut für Menschenrechte, Monitoringstelle

Dokumentation
- 2. Juli 2026 IFG-Abschaffung – Anschreiben
- Klageschrift vom 22.06.2026
- Widerspruchsbescheid vom 08.05.2026 (Erhalt: 28.05.2026)
Zustellurkunde - Abschluss Eingabe Pettitionsausschuss 21.05.2026
Drucksache 19/25 142 – Vasili Franco (GRÜNE)
Drucksache 19/25 864 – Vasili Franco (GRÜNE) - Antwort der Pressestelle der Polizei – Ende der Tesphase des Pilotprojekts
- Fragenkatalog 2 an politische Akteure
- Fragenkatalog 1 an politische Akteure
- Information der Beauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit Berlin
- Antwortschreiben des Senats für Inneres und Sport
- Nachfrist zum Widerspruch der Ablehnung der IFG-Anfrage
- Antwort der Pressestelle der Polizei – Start der Testphase des Pilotprojekts
- Antwortschreiben zum Widerspruch der Ablehnung der IFG-Anfrage
- Eingabe beim Petitionsausschuss
- Widerspruch zur Ablehnung der IFG-Anfrage
- Ablehung der IFG-Anfrage
- Bestätigung Eingang IFG-Anfrage
- IFG-Anfrage
Das Informationsfreiheitsgesetz: Reform oder Abschaffung?
Aufstehen. Nachdenken. E-Mails schreiben – und eine Antwort erhalten.
Während die Debatte um einen möglichen Umbau des Informationsfreiheitsgesetzes Fahrt aufnahm, habe ich selbst nachgefragt. Auch Arne Semsrott hatte über FragDenStaat zu einer Aktion aufgerufen. Sagen wir – ich bin gefolgt. Aber ein bisschen eigen.
Ich habe geschrieben und wie immer Fragen gestellt. In der Dokumentation könnt ihr nachlesen, was mir dazu eingefallen ist.
Ich habe schon wenige Tage später Antwort erhalten. Und diese fiel erstaunlich klar aus.
Darin heißt es, dass der ursprüngliche Koalitionsvertrag in diesem Punkt weiterhin richtungsweisend sei und eine faktische Abschaffung des IFG, wie sie in den vergangenen Tagen vielfach diskutiert wurde, mit der SPD-Bundestagsfraktion nicht zu machen sei.
Besonders betont wurde Transparenz als wesentlicher Faktor eines modernen Staats, der seine Modernisierung eher auf die Vereinfachung und Digitalisierung des Informationszugangs abstellen sollte.
Dieser Idee kann ich durchaus etwas abgewinnen.
Ich habe zudem in meinen Anfragen die Rolle von Presse und Zivilgesellschaft hervorgehoben und ihre Relevanz für die Wahrung der demokratischen Werte versucht aufzuzeigen.
Auch wenn Spezialgesetze – etwa im Bereich kritischer Infrastrukturen – nach dieser Stellungnahme überprüft werden sollen, wird zugleich betont, dass bestehende Auskunftsansprüche für Bürgerinnen und Bürger, Presse und Zivilgesellschaft erhalten bleiben sollen.
Ich habe darum gebeten, sich mit aller Macht gegen die Pläne der Union zu stellen und das IFG zu verteidigen. Die mir vorliegende Korrespondenz werte ich als Signal. Ich hoffe, dass diesen Worten nun auch entsprechendes politisches Handeln folgt.
Demokratie braucht Kontrolle.
Wir verlassen uns jetzt auf Sie.
Und wir bleiben stehen. Wir werden nicht weichen.
Wir schauen sehr genau hin.
PETITION: SPD, stoppt den Frontalangriff auf die Informationsfreiheit!
Kampagne von FragDenStaat: Rettet mit uns das IFG!
NEWS
22.06.2026
Klageerhebung vor dem Verwaltungsgericht Berlin
28.05.2026
– Der Petitionsausschuss schließt die Eingabe ab.
– Ich erhalte den Widerspruchsbescheid zur IFG-Anfrage.
26.05.2026
Die Pressestellte der Polizei bestätigt auf erneute Anfrage, dass der Regelbetrieb und die Ausweitung auf das gesamte Stadtgebiet Berlin geplant sei. Derzeit befände man sich in der internen Evaluation.
20.05.2026
Die Testphase endete laut Drucksache 19/25 864, schriftliche Anfrage des Abgeordneten Vasili Franco (GRÜNE) am 19.05.2026.
Was daraus folgt, ist zunächst unklar. Aus diesem Grund habe ich erneut bei der Pressestelle der Polizei Berlin nachgefragt.
06.05.2026
Im Rahmen meiner Recherchen zeigen sich Hinweise auf Abstimmungsprozesse mit Akteuren aus dem Versorgungssystem.

